Halbzeit – Ein Bericht über das WIE

 

Gooooong ....der Sprechende hält mitten im Satz inne, schließt die Augen und lächelt. Stille bereitet sich aus. Nach etwa einer halben Minute, der letzte Ton zittert noch nach, atmet er hörbar ein, öffnet die Augen und führt seinen Satz weiter. Und das Getöse der Welt nimmt wieder seinen Lauf. ALI hat uns erneut unterbrochen, denn er fordert: Atmen, Lächeln, Innehalten.

ALI ist ein Klangschalen-Gong und für die meisten von uns neu. Erstaunlich schnell wurde er von der heterogenen Gruppe integriert und willig folgen wir ihm alle 30 min in eine Auszeit zu uns selbst. Aber noch mehr ist neu in diesen Workshops von Crew Tech. Statt der üblichen Meetings mit Tagesordnungspunkten, Fragestellungen, Lösungen und Ergebnisprotokollen heißt es hier: Wir durchlaufen einen Co-Creation-Prozess und dieser ist vor allem eines, nämlich ergebnisoffen. Wie bitte? Ist es jetzt egal, ob und welche Resultate wir produzieren? Tatsächlich geht es erstmal nicht um Ergebnisse, sondern um die Beziehungen und das Vertrauen der Teilnehmenden zueinander. Aus uns vielen Einzelpersonen soll ein WIR entstehen, das ein gemeinsames Ziel definiert und schließlich nachhaltige, von allen mitgetragene, Lösungen dafür erarbeitet. Und daher bestimmt der Weg das Ziel und das ist eben nicht vorhersehbar, sondern steht und fällt mit den Teilnehmern.

Diese heterogene Gruppe gut miteinander zu verbinden ist Aufgabe der Prozessbegleiterinnnen Niki und Steffi. In kleinen Schritten und Aufgaben werden sie durch die vier angesetzten Workshop-Tage führen, an deren Ende ein selbsttätiges, nachhaltiges Netzwerk stehen soll. Die meisten von uns sind neugierig. „Mir gefällt, dass hier der Prozess im Mittelpunkt steht und nicht der Inhalt - in der Regel ist es andersrum“ meint Gisela und erntet zustimmendes Nicken. Aber auch Stirnrunzeln ist zu beobachten – schließlich sind wir alle darauf trainiert, ergebnisorientiert zu denken und zu arbeiten. Aber wir haben verstanden: Ein neues WIE soll uns zu einem neuen WAS führen – na fein, da haben wir ja gleich zwei Unbekannte.

Am Ende des ersten Workshop im November sind Freude und Begeisterung deutlich spürbar - endlich mal etwas anderes. Der Tag war kreativ und intensiv, wir haben unsere diversen Motivationen und Aha-Momente in deren Essenz festgehalten, die Herausforderungen und Hemmnisse erkannt, benannt und adressiert. Als kurzweilig erwiesen sich die häufigen Methodenwechsel: spielerisches Miteinander im Plenum wechselte sich mit Kleingruppenarbeiten und Präsentationen ab, zwei inspirierende Impulsvorträge lockerten den Nachmittag auf. Und am Ende des Tages haben wir Ergebnisse: Vier Themenschwerpunkte und entsprechende Arbeitsgruppen stehen fest. Geht doch.

Weihnachten und der Jahreswechsel liegen hinter uns, nach acht Wochen geht es mit dem zweiten Workshop weiter. Zwischenzeitlich haben die Arbeitsgruppen gearbeitet, zunächst angeleitet durch Niki und Steffi, später selbstorganisiert. Auch sind neue Teilnehmer hinzugekommen, die es auf Stand zu bringen gilt. Nicht einfach, denn Beziehung braucht ja Zeit. Aber wir sind locker, die Neuen sind es auch, und so kommen wir recht mühelos über „du zeigst mir deinen Schlüsselbund und ich sag’ dir wer du bist“ zusammen. Überraschend wie „entlarvend“ so ein Schlüsselbund sein kann. Der Tag steht unter dem großen Zeichen des WARUMs – was treibt uns an, was bewegt uns, warum sind wir hier? Es gilt, eine gemeinsame WARUM-Deklaration zu formulieren und das erhitzt die Gemüter. Wieder wechseln sich spielerische Momente und intensive Arbeitsphasen ab. Wir erzählen uns gegenseitig Geschichten: Wann waren wir besonders stolz darauf, uns bei Crew Tech zu engagieren? Wann waren wir im Arbeitsleben stolz darauf, nachhaltig gehandelt zu haben? Die Fülle von Geschichten verdichten wir in vier arbeitsintensiven Schritten und leiten je Kleingruppe ein Kondens ab. Am Ende des Tages sollte eine gemeinsame Warum-Deklaration feststehen, aktuell aber haben wir noch zwei. Im nächsten Workshop in 4 Wochen geht es daher an dieser Stelle weiter. Wir entspannen beim gemeinsamen Kochen und Essen, an den Geschichten aber wird weiter erzählt, für Details gab es ja nicht soviel Zeit…

 
 
Jana Cerno